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Schlesien Geschichte

Ein historischer Überblick

Schlesien ist eine Region in Mitteleuropa und ist heute aufgeteilt in die Länder Polen, Tschechien und Deutschland. Der größte Teil befindet sich in Polen, in Tschechien liegt ein nicht unbedeutender Teil in den Sudeten. Die Gegend um Görlitz und Hoyerswerda identifiziert sich bis heute mit der Region Niederschlesien.

Polnischer Name: Slask

Tschechischer Name: Slezsko

Blick von der Görlitzer Stadtkirche über die Neiße nach Polen

Um Christi Geburt siedeln in Schlesien germanische Stämme der Lugier und Vandalen. Die Vandalen wandern in den folgenden Jahrhunderten gen Westen und lassen sich u.a. in Andalusien und Nordafrika nieder

Bis 400 n. Chr. breiten sich in Schlesien die Silinger aus, von denen sich der Name ableitet. Die Silinger sollen ein Zweig der Vandalen sein

Seit dem 5. Jahrhundert ziehen westslawische Stammesverbände durch Schlesien und siedeln hier

Um 500 kommt in Niederschlesien der Stamm der Sorben vor. Weitere bekannte Namen sind die der Opolanen, Slensanen, Trebowanen und Boboranen. Diese werden dauerhaft sesshaft und assimilieren die verbliebene germanische Restbevölkerung

880: Schlesien wird dem Großmährischen Reich angeschlossen

Nach 906: Das Großmährische Reich zerfällt, ein böhmisches Herrschergeschlecht übernimmt die Macht und legt die Stammesländer zusammen. Vratislavia (Breslau) wird gegründet und zum Zentrum ausgebaut

Um 950: Mieszko I. dehnt mit Hilfe Kaiser Ottos II. das polnische Piastenherzogtum nach Süden aus, in den Herrschaftsbereich fällt damit auch Schlesien. Die Bevölkerung wird christianisiert.

Nach 1025: Durch den Zerfall von Polen und einem Wiedergewinn von Schlesien durch Böhmen kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Polen und Böhmen. Schlesien kommt erneut an Polen.

1137-38: Durch den Pfingstfrieden von Glatz wird eine dauerhafte Grenzziehung zwischen den beteiligten Ländern bestätigt

Um 1170: Schlesien wird unter den drei Brüdern der Piastenfamilie aufgeteilt 1201: Der Oppelner Zweig der schlesischen Piasten entsteht, indem Mieszko IV. Kreuzbein seinen Herrschaftsbereich zum Herzogtum Oppeln zusammenfasst

1241: Einfall mongolischer Heere in Südpolen. Zurückdrängung der Angriffe in der Schlacht bei Liegnitz. Die Flucht und Dezimierung der Bevölkerung schafft die Grundlage für die deutsche Ostsiedlung

Ab 13. Jahrhundert: Deutsche Siedler aus der Gegend von Mainz, Hessen und Thüringen lassen sich in Schlesien nieder. Aber auch Franzosen und Wallonen lockt das Land. Die Bevölkerung wächst wieder

1327-1353: Die Herzöge Schlesiens unterstellen ihr Land nach und nach den böhmischen Königen

15. Jahrhundert: Durch die Hussitenkriege, die Katholiken und Deutsche betreffen, wird Schlesien stark getroffen. Ein abermaliger Bevölkerungsverlust und wirtschaftlicher Niedergang ist die Folge

1469: Der ungarische König Matthias Corvinus erobert Schlesien und setzt den Landfrieden durch 1490-1526: Schlesien wird nach dem Tode Corvinus wieder böhmisch

1526: Die böhmische Königswürde kommt an Ferdinand I. und damit an die Habsburger. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts ist Schlesien wirtschaftlich stärkte Region in der Habsburger Monarchie

1675: Der letzte schlesische Piast stirbt und Friedrich II. begründet einen Anspruch auf ganz Schlesien für Preußen

1742 / 44: Der Großteil wird nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg durch Preußen annektiert, nur ein kleiner Teil mit Tropau verbleibt bei den Habsburgern

1815: Schlesien wird preußische Provinz mit der Hauptstadt Breslau. Das Oberschlesische Industriegebiet um Kattowitz wird mit der Industrialisierung neben dem Ruhrgebiet wirtschaftsstärkste Region des damaligen Deutschland

Breslauer Rathaus

1871: Preußen und damit auch Schlesien werden Teil des Deutschen Reiches 1918-1919: Nach dem 1. Weltkrieg kommt Österreichisch Schlesien an die Tschechoslowakei und verbleibt bis heute bei Tschechien

1919: Mit Niederschlesien (Hauptstadt Breslau) und Oberschlesien (Hauptstadt Oppeln) werden 2 Provinzen gebildet

1921: Nach einer Volksabstimmung, bei der die überwiegende Mehrheit für den Verbleib bei Deutschland gestimmt hatte, wird der östliche Teil Oberschlesiens auf Befehl der Alliierten an Polen abgetreten

September 1939: Der abgetretene Teil Schlesiens wird nach dem Überfall auf Polen wieder dem Deutschen Reich angeschlossen

Anfang 1945: Von 4,5 Millionen deutschen Schlesier flieht die überwiegende Mehrheit innerhalb mehrerer Monate oder wird gewaltsam vertrieben

Sommer 1945: Da das kommunistische Regime noch nicht gefestigt ist, kehren eine Anzahl Schlesier wieder zurück. Sie werden erneut vertrieben


Auf Grund von nicht eindeutiger Nationalität und Arbeitskräftemangel werden über 1 Millionen Schlesier zunächst nicht vertrieben. Dies war meist in Oberschlesien der Fall, wo vor dem 2.Weltkrieg 60% Polen und 40% Deutsche lebten. Die größte Auswanderungswelle ergriff diese Schlesier nach der Wende. Heute leben noch rund 100.000 Deutsche oder Deutschstämmige in Schlesien. Dazu kommt die Bevölkerung des schlesischen Landesteils, der nach dem Krieg westlich der Neiße lag und in den Freistaat Sachsen eingegliedert ist. Überall in Deutschland gibt es schlesische Organisationen und kulturelle Vereine, die teilweise einen engen Bezug zur Heimat ihrer Vorfahren haben.

In Polen dürfen Gemeinden mit einer deutschsprachigen Minderheit zweisprachige Ortsschilder und Beschriftungen anbringen. Es gibt nicht wenige Polen, deren Vorväter bereits zu Zeiten des Deutschen Reiches in Schlesien wohnten oder die auch deutsche Vorfahren haben. Schlesisch sein, bedeutet heute, die Kultur zu pflegen, den Dialekt zu verstehen und zu sprechen und die Traditionen nicht zu vergessen, die das Land seit alter Zeit prägen. Alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie sich als Schlesier fühlen und sich bis heute auf ihre Herkunft und die damit verbundene Geschichte besinnen. Denn eins ist klar: Schlesien kann nicht nur auf drei Staaten festgelegt werden. Es ist der übergroße Wissenschaftsschatz der Menschen, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde, und dem Land zu seinem Ruhm verhalf. Denn ohne die Menschen, die von früher Zeit an hier lebten, wäre Schlesien nicht das, was es heute ist: Ein Land mit viel Geschichte und Zukunft in der Mitte Europas.