Nicht von ungefähr wird Görlitz als eine der schönsten Städte Deutschlands bezeichnet. Mit ihren gut 55.000 Einwohnern ist sie zwar keine Größe, hat kulturell und historisch aber einiges zu bieten. Schon im Mittelalter war die Neißequerung eine der wichtigsten Stationen auf dem Handelsweg von Frankfurt über Leipzig und Dresden nach Breslau.
Blick über den Obermarkt zum Turm der DreifaltigkeitskircheGörlitz liegt in der Lausitz, die früher ein selbstständiges Territorium bildete. Hier wohnten Sorben und Deutsche, Katholiken und Lutherische dicht beieinander. Von 1346 bis 1815 gab es den Oberlausitzer Städtebund, dem neben Görlitz auch Bautzen, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau angehörten. Durch den Wiener Kongress wurden Görlitz und Lauban preußisch und kamen zu Schlesien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen aus den Gebieten östlich der Neiße vertrieben. Und weil auch der östliche Teil der Stadt auf der anderen Flussseite lag, mussten die Einwohner, die nicht schon zuvor vor den Kämpfen geflohen waren, ihr Hab und Gut nehmen und gehen. Die Vorstadt von Görlitz wurde polnisch und in Zgorzelec umbenannt. Die westliche Seite, wo die Altstadt liegt, kam zu Sachsen und wurde später in einen Bezirk der DDR eingegliedert. Was auf beiden Seiten gleich war, hier wie dort kam es zu Enteignungen und Gewalt gegen die Bevölkerung.
Gründerzeithäuser in der HospitalstraßeIn Zgorzelec wurden neben Polen mehrere tausend griechische Bürgerkriegsflüchtlinge angesiedelt. Während der sozialistischen Zeit war es für DDR-Bürger nicht schwer, auf die andere Seite zu gelangen. Vielen Besuchern sind von damals noch die „Polenmärkte“ ein Begriff. Hier konnten die Tagestouristen günstige Waren einkaufen.
Doch der Umbruch und der Fall der Mauer bewirkten neue Möglichkeiten in der internationalen Zusammenarbeit. In der Euroregion Neiße sind Mitglieder aus Deutschland, Polen und Tschechien zusammengefasst. Seit 1998 bilden Görlitz und Zgorzelec eine Europastadt, wo hoher Wert auf eine Zusammenarbeit und Verständigung in allen Ebenen gelegt wird. Als Polen am 1. Mai 2004 Mitglied der EU wurde, fielen auch die Grenzkontrollen weg.
Von der Terrasse der Peterskirche sieht man im Hintergrund die modernen Wohnviertel im polnischen Zgorzelec.In Zgorzelec leben mittlerweile rund 32.000 Menschen. Heute ist es ganz selbstverständlich, dass sich deutsche und polnische Einwohner begegnen, in Geschäften auf der anderen Neißeseite einkaufen, dass Deutsche nach Zgorzelec zum Tanken fahren oder günstigen Tabak kaufen. Natürlich profitieren auch die zahlreichen Besucher davon, denn sie können jetzt beide Teile der Stadt ohne Probleme besichtigen und sich ihr eigenes Bild machen.
Rund 4000 historische Baudenkmale sind in Görlitz erhalten. Die große Altstadt wird von ausgedehnten Gründerzeitvierteln umgeben. Im Laufe der Jahre wurden viele Häuser sorgfältig restauriert und erstrahlen heute wieder in neuem Glanz. Seit 1992 ist die Stadt ein Sitz der Hochschule Zittau / Görlitz und zieht auch wieder junge Leute an. Aus zahlreichen Fernsehberichten ist bekannt, dass sich hier auch gerne ältere Menschen ansiedeln. Manche haben schlesische Vorfahren und wollen ihrer alten Heimat ein Stück näher sein.
Am Untermarkt, Häuserzeile seitlich vom RathausEin anderes Argument ist die abgeschiedene Lage der Stadt, über 100 Kilometer vom nächsten Ballungszentrum Dresden entfernt. Das bringt viel Ruhe mit sich, und die Erholungslandschaften in der Oberlausitz und im Zittauer Gebirge sind recht nah. Aber Görlitz verfügt mittlerweile über eine gute Infrastruktur und ein hohes Maß an kultureller Identität. Touristen und Ausflügler bringen Leben in die Stadt, so wird ein reichhaltiges Programm geboten und es ist immer etwas los.
Dicker Turm am MarienplatzDas Wahrzeichen von Görlitz ist das Panorama der Altstadtbrücke mit der Pfarrkirche St. Peter und Paul. In der noch heute von Katholiken geprägten Gegend verwundert es nicht, dass es zahlreiche weitere Kirchen gibt. Die St. Jakobus-Kathedrale ist der Sitz des Bistums Görlitz und wurde im Jahr 1900 erbaut. Ein weiteres katholisches Gotteshaus in der Innenstadt ist die etwas ältere Heilig-Kreuz-Kirche. Evangelische Gotteshäuser sind die Frauenkirche, die Lutherkirche, die Heilig-Geist-Kirche und die Kreuzkirche in der Südstadt. Die Dreifaltigkeitskirche gehörte einst zu einem Kloster und beherrscht die Ostseite des Obermarktes. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekam Görlitz auch eine Synagoge, die wieder restauriert ist und als Begegnungsstätte dient. Der älteste Friedhof von Görlitz ist der Nikolaifriedhof mit hunderten historischer Grabmale.
Die Türme von St. Peter und PaulZu den berühmtesten Bauten gehört sicherlich das mittelalterliche Rathaus am Untermarkt mit den Wappen des Lausitzer Städtebundes. Nebenan finden sich zwei hervorragende Beispiele von Architektur im Stil der Renaissance: Die Ratsapotheke und der Schönhof, letzterer heute als Schlesisches Museum zu Görlitz. Mitten auf dem Untermarkt steht das barocke Hotel Börse aus dem 18. Jahrhundert. Auf den Spuren des Mittelalters findet der Besucher an zahlreichen Stellen in Görlitz noch Zeugen einer großen Vergangenheit. Neben den Kirchen geben am besten die Reste der Stadtbefestigung darüber Auskunft. Diese sind etwa der Dicke Turm am Marienplatz, der Reichenbacher Turm am Obermarkt oder der Kaisertrutz am Platz dahinter.
Kaisertrutz mit Reichenbacher Turm im Hintergrund Beim Bummel durch manche Gassen in der Altstadt fühlt man sich, als wäre die Zeit stehen geblieben. Einen grandiosen Aufstieg nahm Görlitz zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In dieser Phase entstanden auch die ausgedehnten Gründerzeitviertel. Zahlreiche Häuser sind heute liebevoll restauriert und stehen unter Denkmalschutz. Die Berliner Straße liegt etwas abseits der Altstadt und ist mit ihren vielen Geschäften die absolute Flaniermeile. In einem Komplex Richtung Jakobstraße befindet sich die Straßburg-Passage. Der Kaufmann Otto Straßburg ließ sie 1912 in reinem Jugendstil erbauen. Nur wenig später entstand am Ende der Salomonstraße das heutige Bahnhofsgebäude mit seinen außergewöhnlichen Deckenbemalungen. Wer glanzvolle Architektur mag, ist in Görlitz genau richtig.
Berliner Straße im Zentrum von GörlitzDen Besuch des polnischen Zgorzelec sollte man bei einem Stadtbummel durch Görlitz auf keinen Fall auslassen. Die Kreisstadt im Powiat Niederschlesien besteht aus der ehemaligen Görlitzer Neißevorstadt und umliegenden Wohngebieten aus der Zeit nach dem Krieg. Darüber hinaus gehören zum Gemeindegebiet noch eine Vielzahl an Ortsteilen.
Eine ganze Reihe an Sehenswürdigkeiten kann man auch zu Fuß entdecken. Charakteristisch für das Neißepanorama ist die Mühle, die neben der Altstadtbrücke steht. Sie gab es schon immer in der Stadt. Das Jakob-Böhme-Haus befindet sich in direkter Nachbarschaft. Jakob Böhme wohnte von 1599 bis 1610 darin. Er war ein bedeutender Philosoph und beeinflusste spätere Wissenschaftler wie Isaac Newton. Auf einer Tafel an der Hauswand sind Informationen verzeichnet, im Gebäude wurde ein kleines Museum eingerichtet. An Denkmalen gibt es das Millenium-Denkmal, den Felsstein im Park zur Erinnerung an die Idee der Europastadt und die Nachbildung der Kursächsischen Postmeilensäule. Das Original wurde nach 1945 zerstört, die fünf Meter hohe Nachbildung steht genau an der Altstadtbrücke.
Ein schönes Panorama auf die Altstadt belohnt den Besuch.
Die größte Sehenswürdigkeit in Zgorzelec ist die Oberlausitzer Ruhmeshalle. Sie wurde um 1900 vom Architekt des Reichstages, Hugo Behr, erbaut. Damit wollte man dem ersten Kaiser des Deutschen Reiches, Wilhelm I., huldigen. Das Bauwerk diente als Kunstgalerie und Museum der Oberlausitzer Kultur. Unter der 42 Meter hohen Kuppel befindet sich eine 21 Meter hohe Halle, die mit Marmor ausgestaltet ist. An den Treppenaufgängen wachen zwei große Löwinnen. Ornamente und Reliefe sind weitere Bestandteile der Ruhmeshalle. Sie ist täglich geöffnet und bietet dem Besucher außer der Architektur noch Ausstellungen zu wechselnden Themen und regelmäßige Veranstaltungen. Daneben befindet sich ein sehr neuzeitliches Amphittheater. Im angrenzenden Park kann der Besucher unter hohen Bäumen einen Spaziergang machen und die Ruhe genießen. Hier gibt es einen kleinen See mit Insel.
Oberlausitzer RuhmeshalleAuch sakrale Bauten sind in Zgorzelec vorhanden, wie die Sankt-Bonifatius-Kirche, die moderne Sankt-Josef-Kirche und die Griechisch-Katholische Kirche, in der immer noch Gottesdienste und Veranstaltungen abgehalten werden. Im Süden der Innenstadt steht ein 1,5 km langes Eisenbahnviadukt von 1846. Die Ortsteile von Zgorzelec bieten auch heute noch ein abwechslungsreiches Bild. Sie sind ländlich geprägt und weisen eine Vielzahl an mittelalterlichen Kirchen, Bauernhäusern, Fachwerkgebäuden und einige prächtige Schlösser auf.
Stadtrundgang
Gründerzeit pur in der Bautzener Straße
Ruhig und verträumt, wie in einem Dornröschenschlaf
Hinein in die Landeskronstraße
Das sehenswerte Gotteshaus der Adventgemeinde über der Straßenecke
Die Lutherkirche, um 1900 erbaut, entspricht ganz dem Stil der Zeit
Stadtbibliothek Görlitz mit wunderschöner alter Fassade
Die Jochmannstraße
AWO-Altenpflegehaus Zentralhospital Görlitz
Krölstraße / Ecke Jochmannstraße
Die Hartmannstraße
Kreuzungsbereich Hospitalstraße / Salomonstraße / Berliner Straße
Die Berliner Straße ist die Einkaufsmeile von Görlitz.
Nicht immer ist die Straße so ausgestorben wie an diesem Sonntag.
Die Straßenbahn bringt ihre Fahrgäste bequem hierher.
Eine der besten Adressen ist die Straßburg-Passage.
Hier lassen sich viele Geschäfte an einem Ort erkunden.
Auf der anderen Seite setzt sich das Gründerzeitensemble in der Jakobstraße fort.
Bei diesem Anblick fühlt man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.
Welche Mühe haben sich die Erbauer solcher Häuser noch gegeben...
Ehemaliges Hotel Victoria am Postplatz
Die Frauenkirche stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde früher von der gesamten Görlitzer Stadtbevölkerung genutzt.
Wie es sich für den Postplatz gehört, lässt auch das namensgebende Amt nicht lange auf sich warten.
Auf der rechten Seite ist das Gerichtsgebäude zu sehen.
Am Demianiplatz, nach einem früheren Bürgermeister benannt
Der Dicke Turm am Nordende vom Marienplatz ist ein Rest der Stadtbefestigung.
Das Jugendstilkaufhaus an der Südseite vom Marienplatz
Weiter durch die Steinstraße geht es zur Annenkapelle, eine versteckte und doch lohnende Sehenswürdigkeit.
Partie in der Annengasse, wie vor 100 Jahren...
Obermarkt mit Reichenbacher Turm
Zeit für ein Mittagspause mit Blick auf die Türme von Rathaus und Dreifaltigkeitskirche
Der Reichenbacher Turm steht am westlichen Eingang zur Altstadt.
Kaisertrutz am Platz des 17. Juni, heute Teil des Kulturhistorischen Museums
Der Georgsbrunnen vor der Dreifaltigkeitskirche
Schlendern durch die Brüderstraße
In dieser Gasse fühlt man sich an venezianische Architektur erinnert.
Am Fischmarkt wird noch heute, wenn auch nur als Zierde, ein "Kräftiges Mittagessen zu 20 Pfg." angeboten.
Auf dem Untermarkt
Der Untermarkt mit Blick zum Rathaus
Zu linker Hand die Ratsapotheke im Stil der Renaissance
Die Peterstraße ist eine abwechslungsreiche, schmucke Nebenstraße mit feinen Geschäften und gemütlicher Gastronomie.
Ein Blick zurück zum Untermarkt
Schon längst das Wahrzeichen der Stadt: Die Peterskirche, mittelalterlichen Ursprungs und um 1700 aus alten Trümmern neu erbaut
Über Jahrzehnte stand die Neiße als ein Symbol für das Schicksal von Millionen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Nun werden in der Stadt neue Wege beschritten. Heute verbindet die Altstadtbrücke den deutschen mit dem polnischen Teil von Görlitz.
Grabplatte an der Seitenwand als Erinnerung an Kaspar von Schönberg, Bischof von Meissen, den Erbauer der Peterskirche
Luxuriös wohnen in zentraler Lage auf dem Untermarkt: Das Hotel Börse in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert
Am Rathaus vorbei geschaut
Die Fassade des Rathauses wird von den sechs Städtewappen des Lausitzer Bundes geschmückt. Bis zur Auflösung durch den Wiener Kongress gab es die Lausitz als eigenständiges Territorium.
Heute liegt das Gebiet in Deutschland und Polen.
Die bestens restaurierte Südseite vom Untermarkt mit dem Hotel und Restaurant Frenzelhof
Steinbogen beim Schlesischen Museum zu Görlitz
Über die Altstadtbrücke geht es nun ins polnische Zgorzelec. Hier eine Ansicht vom Mühlenkomplex, der auch von der deutschen Seite gut zu sehen ist.
Die erste Häuserzeile am Neißeufer, sehr beliebt zum Hinsitzen und Seele baumeln lassen.
Das Jakob-Böhme-Haus steht nicht weit entfernt von der Brücke.
Nicht schön, aber ein Hingucker sind die Häuser an der Ignacego Daszynskiego.
Das Kulturhaus von Zgorzelec war früher die Oberlausitzer Ruhmeshalle. Kunstvolle figürliche Darstellungen machen dieses Gebäude zu etwas Besonderem.
Die große Halle im Inneren führt zu allen weiteren Räumen, den Treppenaufgang bewachen zwei Löwinnen.
Hier kann man schnell die Zeit vergessen...
Ein verlassenes Haus steht am Rande des Parks. Welche Familie mag hier wohl gewohnt haben, wieviel Glück, wieviel Trauer hat dieses Haus erlebt ?